• 27.02.2026
  • Interview

Interview mit Prof. Dr. Jan Beyne, Professor für Sustainability Management an der Antwerp Management School

Interview mit Prof. Dr. Jan Beyne zur Interzoo Sustainability Conference am 11. Mai 2026.

Geschrieben von Monika Seidendorf

Ein Bild von Prof. Dr. Jan Beyne
Dr. Jan Beyne, Professor für Sustainability Management an der Antwerp Management School

Welche Trends und Entwicklungen beeinflussen die Nachhaltigkeit in der Heimtierbranche, und worauf sollten Unternehmen in dieser Branche achten?

„Ich glaube, dass Nachhaltigkeit zu einem der bestimmenden Transformationsthemen für die Heimtierbranche wird. Wir beobachten eine deutliche Verschiebung von Nachhaltigkeit als ‚nice to have‘ hin zu einer strategischen Notwendigkeit.

Diese Entwicklung wird von mehreren wichtigen Trends geprägt, die wir gemeinsam mit der gesamten Branche genauer untersuchen möchten:

 

  • Steigende Erwartungen von Tierhaltern, insbesondere von jüngeren Verbrauchern, die die Tierhaltung zunehmend mit umfassenderen Lifestyle-Werten wie Klimaverantwortung, Tierschutz und Transparenz in Verbindung bringen.
  • Regulatorische Entwicklungen, insbesondere in Europa, in Bezug auf Verpackungsabfälle, Recyclingfähigkeit, Herkunft der Inhaltsstoffe und den Nachweis von Nachhaltigkeitsangaben. Unternehmen müssen sich auf strengere Berichts- und Compliance-Anforderungen einstellen.
  • Innovationsdruck bei Zutaten und Proteinquellen, einschließlich alternativer Proteine (z. B. Insekten, Algen oder fermentierte Rohstoffe) sowie regenerativer Landwirtschaftskonzepte.
  • Kreislaufwirtschaft und Neugestaltung von Verpackungen mit starker Tendenz zu recycelbaren, wiederbefüllbaren oder umweltfreundlicheren Lösungen.
  • Steigende Nachfrage nach Rückverfolgbarkeit und glaubwürdigen Daten, da Einzelhändler und Verbraucher zunehmend Nachweise für Nachhaltigkeitsaussagen erwarten und sich nicht mehr mit Marketingversprechen zufriedengeben.
     

Unternehmen der Heimtierbranche sollten sich daher bewusst sein, dass Nachhaltigkeit sich rasch von einer freiwilligen Initiative zu einer zentralen Geschäftskompetenz entwickelt, die Einfluss auf Produktentwicklung, Lieferketten und langfristige Wettbewerbsfähigkeit hat. Das wachsende Interesse an den Sustainability Sessions auf der Interzoo 2024 zeigt, dass die Branche bereit ist, Lernen, Zusammenarbeit und Handeln zu beschleunigen.

 

Worauf freuen Sie sich bei der Interzoo Sustainability Conference am meisten?

Ich freue mich vor allem darauf, zu sehen, wie sich das Thema Nachhaltigkeit in der Heimtierbranche von einer ambitionierten Idee zur gelebten Praxis entwickelt.

Insbesondere die Keynote-Beiträge bieten oft einen hervorragenden Überblick über die wichtigsten Nachhaltigkeitsherausforderungen und Innovationswege für das kommende Jahrzehnt. Zudem schätze ich die Anwesenheit vielfältiger Teilnehmer aus der gesamten Wertschöpfungskette – von Zutatenlieferanten und Herstellern bis hin zu Einzelhändlern, Forschern und politischen Entscheidungsträgern. Am wichtigsten sind mir die Diskussionen, in denen praktische Erfahrungen, Hindernisse und bewährte Verfahren offen ausgetauscht werden. Ich glaube, dass die Interzoo eine einzigartige Plattform für den vorwettbewerblichen Dialog bietet. Ich freue mich auf Gespräche, die der Branche dabei helfen, widerstandsfähigere, transparentere und zirkulärere Geschäftsmodelle zu entwickeln.

 

Haben Sie ein Heimtier?

Ja, ich habe einen Hund, einen Labrador namens Dali. Er wurde ursprünglich als Blindenführhund ausgebildet, hat aber leider seine Abschlussprüfung nicht bestanden – vor allem, weil er einfach zu freundlich und sozial mit allen Menschen war. Er ist ein unglaublich herzlicher und sanfter Hund und geht besonders gut mit meiner zweijährigen Tochter um. Er erinnert mich jeden Tag an die starke emotionale Bindung zwischen Heimtieren und Menschen, und zeigt mir, weshalb Nachhaltigkeit in diesem Bereich auch so wichtig ist.

 

Welche Produkte auf der Interzoo interessieren Sie als Heimtierbesitzer am meisten? Was würden Sie gerne sehen?

Als Heimtierbesitzer interessiere ich mich besonders für Produkte, die hohe Qualität mit echten Verbesserungen in Sachen Nachhaltigkeit verbinden.
Zum Beispiel:

 

  • Innovationen im Bereich Tiernahrung, insbesondere in Bezug auf verantwortungsbewusst gewonnene Inhaltsstoffe, alternative Proteine und funktionelle Ernährung, die die langfristige Gesundheit unterstützt.
  • Spielzeug und Zubehör, bei denen Haltbarkeit, sichere Materialien und zirkuläre Designprinzipien (recycelte oder recycelbare Materialien) immer wichtiger werden.
  • Produkte für Gesundheit und Wohlbefinden, darunter Nahrungsergänzungsmittel, allergenfreie Ernährung und Lösungen für die Vorsorge.
  • Verpackungslösungen, die Abfall reduzieren, wie Nachfüllmodelle oder vollständig recycelbare Formate, wären ebenfalls sehr interessant.
     

Insgesamt würde ich gerne Produkte sehen, die zeigen, dass Nachhaltigkeit in der Heimtierbranche sowohl die Umweltbilanz als auch das Wohlbefinden der Tiere verbessern kann – ohne dass das eine auf Kosten des anderen geht.

Lieber Herr Professor Beyne ,wir bedanken uns herzlich für das Interview und freuen uns sehr auf Ihren Workshop im Rahmen der Interzoo Sustainability Conference am 11. Mai 2026

Autor

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Monika Seidendorf
WZF