- 27.02.2026
- Interview
- Marketing
Social Media-Kolumne
Teil 1: Strategisches Influencer Marketing in der Pet-Branche
Geschrieben von André Karkalis

KI produziert in Minuten makellose Bilder und Skripte. Für Heimtiermarken klingt das verlockend – gerade Cat- und Dog-Content funktioniert stark visuell. Doch wenn alles technisch perfekt ist, wird Content austauschbar. Willkommen in der Ära des „AI Slop" – massenhaft generierter Inhalte ohne Seele. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr: Wie produziere ich schneller? Sondern: Wie schaffe ich Vertrauen, wenn jeder Content auf Knopfdruck erzeugen kann?
Die Antwort liegt im Vertrauensmarketing — und Influencer spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn der wahre Wert einer Kooperation steckt nicht im einzelnen Creative, sondern im jahrelangen Community-Aufbau und in nachgewiesener Expertise. Diese Vertrauensbasis kann keine KI erzeugen.
Welche Ziele kann Influencer Marketing bedienen?
Bevor Sie über Creator, Formate oder Budgets nachdenken: Was soll passieren? Die drei klassischen Zielfelder sind Awareness (Sichtbarkeit aufbauen), Engagement und Leads (Community aktivieren, Kontakte generieren) und Sales (Abverkauf über Empfehlungen, Codes oder Affiliate-Modelle). Entscheidend ist, dass Sie nicht alle drei Ziele mit einer einzigen Kooperation bedienen wollen. Wer Awareness will, braucht andere Creator und Formate als jemand, der Conversion sucht. Klarheit im Ziel bestimmt die gesamte Strategie.
Influencer als Content-Partner — nicht als Silo
Ein häufiger Fehler: Influencer-Kampagnen werden losgelöst von der eigenen Social-Media-Planung gedacht. Dabei sind Influencer nicht nur Reichweitenverlängerer — sie sind auch hervorragende Content-Produzenten. Viele Creator liefern authentische Assets, die auf eigenen Kanälen, in Paid Ads oder auf der Website oft besser performen als Hochglanz-Produktionen.
Planen Sie Kooperationen so, dass Inhalte auch für Ihre eigenen Kanäle nutzbar sind — als UGC für Ads, als Testimonial auf der Produktseite oder als Storyline im Social-Media-Kalender. Entscheiden Sie bewusst, welche Kooperation in die eigene Content-Strategie integriert wird und welche parallel läuft.
Fünf Creator-Typen für die Heimtierbranche — das TONY-Modell
In unserer Agentur TONY haben wir nach mehr als 1.000 Influencer-Kooperationen ein klares Muster entwickelt. Wir kategorisieren Creator in fünf Typen, die wir je nach Strategie gezielt für unsere Kunden auswählen.
1. Petfluencer
Der Account heißt meist wie das Tier, Hund oder Katze machen 80 bis 90 Prozent des Contents aus. Der große Vorteil: höchste Zielgruppenaffinität aller Creator-Typen. Wer einem Hundeprofil folgt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst Tierhalter — kein Streuverlust. Praxis-Tipp: Achten Sie darauf, dass auch die Besitzer sichtbar sind, besonders in Stories. Süße Tierbilder allein bauen selten eine belastbare Community auf und machen es schwer, Markenbotschaften zu transportieren.
2. Pet Fans
Hier steht das Mensch-Tier-Duo im Mittelpunkt. Man sieht das aktive Leben der Halterin gemeinsam mit dem Hund — beim Wandern, im Alltag, auf Reisen. Pet Fans haben oft eine besonders starke Community und eignen sich ideal für Aktionen, bei denen Lifestyle und Tierhaltung verschmelzen.
3. Pet Experts
Alle Personen, die beruflich mit Haustieren zu tun haben: Tierärzte („Vetfluencer"), Züchter, Groomer, Hundetrainerinnen oder Katzenexperten. Diese Creator haben den höchsten Trust. Sie vermitteln Kompetenz und bringen eine starke eigene Meinung mit — was Kooperationen besonders glaubwürdig macht. Die Zusammenarbeit ist allerdings oft anspruchsvoller. Praxis-Tipp: Binden Sie Experts frühzeitig ein — bei Produktentwicklung wie Kampagnenplanung. Wer ihre Expertise ernst nimmt, gewinnt echte Fürsprecher.
4. Webstars
Klassische Influencer aus Beauty, Fashion, Sport oder Food, die ein Haustier haben. Die Follower folgen ihnen meist nicht wegen des Tieres — das bedeutet geringere Zielgruppenaffinität. Doch Webstars mit starker Community-Bindung können trotzdem wirkungsvoll sein, besonders für Reichweite jenseits der Pet-Bubble.
5. Celebrities
Personen, die auch ohne Social Media berühmt wären: Schauspielerinnen, TV-Moderatoren, Sängerinnen. Besonders interessant, wenn man über Social Media hinausdenkt. Celebrities eignen sich als Markenbotschafter in anderen Werbemitteln oder für die PR — beispielsweise bei einem Messeauftritt auf der Interzoo.
Was bedeutet das für Sie als Entscheider:in?
Beginnen Sie mit dem Ziel, nicht mit dem Creator. Überlegen Sie, welcher Typ zu Ihrer Strategie passt. Und denken Sie Influencer nie als Silo, sondern als Teil Ihrer Content-Strategie. In einer Flut polierter KI-Posts ist menschliche Authentizität das wertvollste Kapital, das Ihre Marke aufbauen kann.
In Teil 2 erfahren Sie, wie Sie die Zusammenarbeit konkret umsetzen: von der Kontaktaufnahme über faire Pricing-Modelle bis zur Erfolgsmessung.
Über den Autor:
André Karkalis, Gründer der Agentur TONY, hat mit seinem Team über 100 Social-Projekte für Industrie und Handel in der Heimtierbranche realisiert.
TONY richtet seit 2019 die GERMAN PETFLUENCER AWARDS aus und veranstaltet mit der PETFLUENCER NIGHT Europas größtes Creator Event zum Thema Pet.
Sie haben Fragen? Schreiben Sie an: a.karkalis@tony.pet
