• 28.01.2026
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Social Media-Kolumne

Teil 2: Zehn Tipps für erfolgreiche Reels und TikToks

Geschrieben von André Karkalis

Eine Frau macht ein Video von ihrer Katze
Ganz einfach erfolgreichen Content erstellen

Die strategischen Grundlagen aus Teil 1 sind gelegt, jetzt geht es an die konkrete Umsetzung. Die folgenden zehn Tipps verwandeln Ihr strategisches Verständnis in reichweitenstarke Reels, die nicht nur gesehen, sondern auch erinnert werden.

 

1. Der perfekte Start: Sie haben weniger als drei Sekunden

Schon Hirnforscher und Psychologe Ernst Pöppel hat in den 80er-Jahren herausgefunden, dass Menschen ein „Gegenwartsfenster" von drei Sekunden haben. Auf Social Media haben viele User noch weniger Geduld. Deshalb braucht Ihr Video einen perfekten Start, sonst swipen die Zuschauer zum nächsten. Sie benötigen einen Hook – etwas, an dem die Zuschauer hängen bleiben. Zwei der wichtigsten Elemente hierfür sind:

„Visuelle Pattern Interruptions“ durchbrechen erwartete Sehgewohnheiten: Ein rückwärts laufender Hund, eine Nahaufnahme auf Katzenpfoten, die plötzlich ins Bild springen, oder eine Zeitraffer-Sequenz des Futterwechsels. Das Gehirn reagiert instinktiv auf unerwartete Bewegungen.

Textuelle Hooks schaffen mentale Cliffhanger: „Das dürfen 90 Prozent aller Hundebesitzer nie erfahren" bzw. „Dieser Trick hat unser Kätzchen gerettet" oder „Was dieses Verhalten wirklich bedeutet, wissen nur Experten". Aber Vorsicht: Nach dem Hook müssen Sie den Dreh zu Ihrer Kernbotschaft hinbekommen – nicht zu beliebigem Viral-Content.

 

2. Trauen Sie sich, unperfekt zu sein

„Schmeichelhafte Bilder sind billig zu produzieren und langweilig zu konsumieren." Instagram-Chef Adam Mosseri bringt in seinem Jahresausblick auf 2026 eine unbequeme Wahrheit auf den Punkt: Die polierte Ästhetik ist kein Qualitätsmerkmal mehr – sie ist Verdachtsmoment. Ist das echt oder KI-generiert? Mosseri beobachtet eine „rohe Ästhetik", die inzwischen von privaten auf öffentliche Inhalte überschwappt: verschwommene Fotos, wackelige Videos, ungeschönte Momente. Was früher unprofessionell wirkte, wird zum Echtheitsnachweis. Die neue Messlatte lautet nicht mehr „Kannst du etwas erstellen?", sondern „Kannst du etwas erstellen, das nur du erstellen könntest?".

Für Ihre Reels heißt das: weniger technische Politur, mehr inhaltliche Substanz. Keine polierten Werbevideos. Unvollkommenheit ist das neue Gütesiegel.

 

3. Menschen folgen Menschen – und das wird wichtiger denn je

Menschen folgen Menschen, deren Gesichter sie wiedererkennen, an deren Alltag sie scheinbar teilhaben. Diese parasoziale Nähe ist der eigentliche Motor von „Social" Media und der Grund für den Erfolg von Influencern – und sie funktioniert auch für Marken.

Zeigen Sie echte Gesichter, regelmäßig und authentisch. Doch Vorsicht: Setzen Sie nie alles auf eine Person. Was passiert, wenn Ihr Social-Media-Gesicht das Unternehmen verlässt? Bauen Sie stattdessen ein kleines Team auf, das abwechselnd vor die Kamera tritt. Das macht Sie unabhängiger und glaubwürdiger.

Erinnern Sie sich an die Aussage des Instagram-Chefs: Der wachsende Strom an KI-generiertem Content – sogenannter „AI Slop" – lässt echte, menschliche Inhalte wertvoller erscheinen denn je.

 

4. Brand Codes: Differenzierung ohne Logo-Inflation

Hier setzen Sie die Differenzierungsstrategie aus Teil 1 um. Statt jedem Trend zu folgen, entwickeln Sie subtile Wiedererkennungsmerkmale: Farbpaletten, Schriftarten, Musik-Signaturen oder wiederkehrende visuelle Elemente.
Diese Brand Codes schaffen Wiedererkennung, ohne aufdringlich zu wirken. Der Zuschauer soll intuitiv spüren: „Das ist Content von XY" – auch ohne permanentes Logo.

Aber die besten Brand Codes sind wiederkehrende Gesichter, die Ihre Botschaften senden.

 

5. Ein „Call to Action“ pro Video

Jedes Reel braucht einen natürlichen „Call to Action (CTA)“, aber übertreiben Sie es nicht. „Was denkst du über diese Trainingsmethode?" funktioniert besser als „Likt, kommentiert, teilt und folgt uns!". Konzentrieren Sie sich auf eine gewünschte Aktion pro Video.

Wichtig: Ihr CTA muss zu Ihren 3–5 Kernbotschaften aus Teil 1 passen. Wenn Ihre Botschaft „Wir verstehen, was Katzen wirklich brauchen" lautet, fragen Sie: „Woran erkennst du, dass deine Katze wirklich zufrieden ist?"

 

6. Formate entwickeln: Konsistenz schlägt Kreativität

Haben Sie ein Video gefunden, das sowohl Ihre Kernbotschaft transportiert als auch bei der Zielgruppe ankommt? Entwickeln Sie daraus ein wiederkehrendes Format. „Fütterungs-Freitag", „Trick-Dienstag" oder „Die Welpen-Stunde" strukturieren nicht nur Ihre Arbeit, sondern trainieren auch den Algorithmus konsistent.

Das ist strategische Umsetzung: Statt jeden Montag bei null zu beginnen, nutzen Sie bewährte Strukturen, die bereits Ihre Markenidentität transportieren. Analytics geben Ihnen Rückmeldung, welche Formate funktionieren.

 

7. Untertitel und Captions nicht vergessen

80 Prozent aller Videos werden ohne Ton konsumiert. Ohne Untertitel verlieren Sie vier von fünf Zuschauern, dementsprechend sind Untertitel Pflicht. Verwenden Sie dabei eine klare, große Schrift. Positionieren Sie die Untertitel im oberen Drittel des Bildschirms, damit sie nicht von anderen Interface-Elementen verdeckt werden.

Die Texte zu Reels und TikToks (Captions) sollten Sie nicht vernachlässigen. Setzen Sie gezielt SEO-Texte ein. Google liest mit und spielt Ihre Videos bei passenden Suchanfragen aus.

 

8. Trial Reels: Testen Sie, bevor Sie teilen

Instagram hat mit den Trial Reels ein strategisches Werkzeug eingeführt: Test-Reels als A/B-Testing ohne Werbebudget. Die Funktion erlaubt es, Reels zunächst ausschließlich an Nicht-Follower auszuspielen – das Video erscheint weder in Ihrem Profil noch im Feed Ihrer Community.

Beim Hochladen aktivieren Sie die Option „Test-Reel", erhalten nach 24 Stunden erste Metriken und entscheiden innerhalb von 72 Stunden: Funktioniert das Video? Dann teilen Sie es mit Ihren Followern. Performt es schwach? Optimieren und erneut testen – ohne dass Ihre Community je davon erfahren hat.

 

9. Daten sind Ihr Kompass

Die wichtigste Kennzahl ist die View-Rate – das Verhältnis zwischen Ihren Followern und den tatsächlichen Views. Erreichen Sie nur 10 Prozent Ihrer Follower organisch (ohne Werbebudget), ist noch viel Luft nach oben. Gute Content Creator schaffen View-Raten von 100 Prozent und mehr.

Prüfen Sie Ihre Skip-Rate (in den Insights von Instagram): Wie viele Zuschauer verlassen Ihre Videos in den ersten drei Sekunden? Je geringer diese Zahl, desto besser.

 

10. Paid-Unterstützung: Verstärken Sie strategische Treffer

Haben Sie ein Video gefunden, das organisch gut funktioniert UND Ihre Kernbotschaft transportiert? Unterstützen Sie es mit Paid-Budget. Die besten Content-Stücke sollten mit Werbeanzeigen verlängert werden – so maximieren Sie die Reichweite Ihrer strategisch wertvollsten Inhalte.

Das Schöne: Sie investieren nur in bewährte Winner, die bereits bewiesen haben, dass sie sowohl algorithmisch funktionieren als auch Ihre Markenidentität stärken.

 

Von der Strategie zur Umsetzung

Die vorgestellten zehn Techniken sind die praktische Umsetzung des strategischen Verständnisses aus unserem ersten Teil über Reels und TikToks.

Was bedeutet das für Sie als Entscheider? Der Unterschied zwischen durchschnittlichen und herausragenden Reels und TikToks liegt nicht nur in der kreativen Umsetzung, sondern in der konsequenten Anwendung strategischer Performance-Prinzipien. Schulen Sie Ihr Team systematisch in beiden Bereichen – oder holen Sie sich Expertise ins Haus, die beides vereint: strategisches Denken und handwerkliche Perfektion.

Autor

André Karkalis mit Hund
André Karkalis
Geschäftsführer Agentur TONY