Presseinformationen
17.05.2012
Eröffnungs-Pressekonferenz der Interzoo 2012
- Stellungnahme von Norbert Holthenrich,
Präsident des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF)
Donnerstag, 17. Mai 2012, 9.15 Uhr
- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich begrüße Sie ebenfalls herzlich zu dieser Pressekonferenz. Vielen Dank, Frau Schreiber, dass Sie mich so nett vorgestellt haben. Eines möchte ich noch hinzufügen: Ich arbeite nicht nur in einer Branche, die sich mit Heimtieren beschäftigt, sondern ich halte auch selbst Tiere. Fast alle Unternehmer und Akteure in unserer Branche sind Menschen, die das Zusammenleben mit Heimtieren als Glück erfahren haben. Hier darf ich meine Tochter zitieren, die bei unserer Diskussion über die Anschaffung eines Haustieres einwarf „nur mit einem Hund hat ein Kind eine wirklich glückliche Kindheit“. Dieser Hund bereichert nun seit Jahren unser Familienleben – und ich denke, meine Kinder haben eine glückliche Kindheit.
Wer schon einmal erleben durfte, wie es sich anfühlt, wenn sich plötzlich Nähe zwischen Tier und Mensch einstellt, wird uns verstehen: Es ist faszinierend und unvergesslich, wenn eine Wüstenrennmaus Männchen macht, um an der menschlichen Hand zu schnuppern und vertrauensvoll den Arm hinaufläuft. Oder wenn ein Wellensittich am menschlichen Ohr knabbert oder eine Katze sich schnurrend kraulen lässt. Viele Untersuchungen in verschiedensten Erziehungseinrichtungen haben gezeigt, dass Menschen über das glückliche Leben mit Tieren soziale Verantwortung und Einfühlungsvermögen lernen. Angeblich war das schon vor 2,6 Millionen Jahren der Fall: Die amerikanische Paläontologin Pat Shipman vertritt die These, dass der Mensch sich überhaupt nur zum Homo sapiens entwickeln konnte, weil er sein Leben mit den ersten Haustieren Rind, Katze und Hund teilte.
Mit mir teilen heute mehr als ein Drittel der Haushalte in Deutschland ihr Leben mit Heimtieren.
12 Prozent der Nicht-Tierhalter würden ebenfalls gerne Tiere halten, vor allem Hunde und Katzen. Im Klartext heißt das: Nahezu die Hälfte aller Deutschen begeistert sich für Heimtiere!
Zu diesem Befund kamen wir mit Hilfe unserer neuen haushaltsrepräsentativen Erhebung zur Heimtierhaltung in Deutschland. Die Studie haben wir in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut IMR – Institute for Marketing Research im April diesen Jahres durchgeführt.
Bei der Erhebung hat uns unter anderem die durchschnittliche Anzahl von Heimtieren in tierführenden Haushalten interessiert und wir wollten Erkenntnisse zu den gehaltenen Arten und zum Einkaufsverhalten gewinnen. Viele Tierhalter pflegen nicht nur mehr Tiere einer Art, sondern sogar mehrere Tierarten (das tun 10 Prozent der deutschen Haushalte). Die durchschnittliche Anzahl von Heimtieren haben wir zusätzlich durch eine zweite Erhebung, die im Internet nur unter Tierhaltern durchgeführt wurde, validiert.
Zu einem großen Teil hat die Studie bisherige Erkenntnisse, zum Beispiel zur Rangfolge der Beliebtheit von Heimtieren, bestätigt: Katzen sehen wir nach wie vor als die beliebtesten Heimtiere: Insgesamt gibt es 12,3 Millionen in 16,5 Prozent der Haushalte. An zweiter Stelle folgen Hunde in 13,4 Prozent der Haushalte. Weiter gibt es 7,6 Millionen Kleinsäuger, das mit Abstand beliebteste ist das Zwergkaninchen. Unter den 3,7 Millionen Ziervögeln sind die Wellensittiche besonders häufig vertreten. Darüber hinaus gibt es 2,3 Millionen Aquarien und 2,6 Millionen Gartenteiche mit Fischen. In fast drei Viertel der Warmwasser-Aquarien leben Süßwasserfische, nur 5 Prozent der Aquarianer pflegen Meerwasseraquarien. Außerdem leben Terrarientiere, vor allem Schlangen und Eidechsen, in insgesamt 800.000 Terrarien. Das ergibt insgesamt 31 Millionen Heimtiere in Deutschland – dabei sind Zierfische und Reptilien noch nicht einmal mitgerechnet.
Unsere Branche erfüllt die Aufgabe, das Zusammenleben mit diesen verschiedenen Arten zu gestalten. Einen positiven Einfluss auf den Menschen haben sie alle – aber erwiesenermaßen nur dann, wenn sie artgerecht gehalten werden.
Deshalb hat der ZZF bereits vor über 20 Jahren Qualitätsrichtlinien aufgestellt, in denen die Mitglieder des Verbandes sich unter anderem verpflichten, nicht mit Qualzuchten zu handeln oder bestimmte Tierarten nicht zu präsentieren, weil sie für die private Haltung in der Wohnung nicht geeignet sind. Dabei urteilen wir nicht pauschal über ganze Tiergruppen wie dies zum Teil andere Organisationen tun. Diese stufen undifferenziert sogenannte „exotische Tiere“, „nicht domestizierte Tiere“ oder „Wildtiere“ als nicht geeignet für Privathalter ein.
Wir sind daran interessiert, uns kontinuierlich mit den aktuellen Erkenntnissen zu einer tierschutzgerechten Heimtierhaltung auseinander zu setzen. Wir prüfen im Einzelfall, ob und wie eine Art tiergerecht gehalten werden kann. Dafür veranstalten wir beispielsweise jedes Jahr ein Fachsymposium für Tierärzte und Zoofachhändler.
Wir fördern die Qualifizierung von Zoofachhändlern mit unserer Ausbildungsliteratur, unseren Tagungen und unserer zur Zeit vorbereiteten „Zusatzqualifikation Zoospezifisches Wissen“.
Zurück zur Interzoo und zum Heimtiermarkt: Zur verantwortungsvollen Haltung von Heimtieren gehört auch, sie optimal mit Nahrung, Pflegemitteln, einem geeigneten Lebensumfeld und Zubehör zu versorgen – auf diese Weise ist unser Markt im vergangenen Jahr weltweit auf über 67 Milliarden Euro gewachsen.
In Deutschland stagniert der Umsatz mit Heimtierbedarf auf einem hohen Niveau. Insgesamt gaben Tierhalter im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Euro für ihre Heimtiere aus.
Davon entfielen laut dem Marktforschungsinstitut Symphony IRI 2,8 Milliarden Euro auf Heimtiernahrung und laut Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf 916 Millionen Euro auf Heimtierzubehör.
Zierfischfutter und die beiden größten Kategorien innerhalb der Tiernahrung, Hunde- und Katzennahrung, entwickelten sich noch leicht positiv. Für leichte Umsatzrückgänge sind vor allem die Segmente Vogel und Nager verantwortlich. Auch Katzenstreu entwickelte sich mit -4 Prozent im Wert rückläufig. Das hängt möglicherweise mit dem aktuellen Trend zu Freigängern zusammen, die ihr Geschäft eben nicht nur in der Katzentoilette erledigen.
Laut Symphony IRI gehen die Umsatzverluste in der Heimtiernahrung einher mit Absatzverlusten, insgesamt liegen diese bei -2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Absatz von Katzenfutter ging um 0,8 Prozent zurück. Das ist vermutlich auf einen Wechsel innerhalb der Formate zugunsten des Pouchformats zurück zu führen. Die neuen Favoriten sind Single- als auch Multi-Packs, mit deren Hilfe schneller und hygienischer gefüttert werden kann.
Im Zubehörbereich verzeichnete nur der Markt für Hunde-Bedarfsartikel ein Plus von 2,6 Prozent, insgesamt musste der Zubehörmarkt einen Rückgang von -2,2 Prozent hinnehmen.
Betrachten wir die Vertriebswege der Heimtiernahrung, sehen wir die Verluste ausschließlich aus dem LEH inkl. Drogeriemärkte und restliche Discounter, während der Umsatz im Fachhandel stagniert. Nur die großen Discounter Aldi, Lidl und Norma profitierten noch mit bekannten Markenprodukten. Die konnten durch regelmäßige Einmallistungen und Promotions punkten.
Unter den Fachhandelskanälen gewann vor allem der große Zoofachhandel bzw. Ketten mit Flächen über 300 qm Marktanteile, insgesamt ein Zugewinn von +3,8 Prozent. Alle anderen Fachhandelstypen mussten Verluste hinnehmen.
Wir vermuten, dass die Rückgänge insgesamt jedoch nicht so hoch sind wie die Umsatz- und Absatzzahlen der Symphony IRI nahe legen, da das Marktforschungsinstitut bisher über keine Handelsdaten aus dem Onlinesektor verfügt. Die Untersuchung des Onlinemarktes hat gerade erst begonnen – Umsatzdaten sind bisher bei keinem Marktforschungsinstitut verfügbar.
In unserer Online-Umfrage unter Tierhaltern haben wir deshalb auch nach dem Einkaufsverhalten gefragt. Es wurde deutlich, dass gerade Hundehalter offenbar Tiernahrung auch im Internet erwerben, insgesamt sind es etwa 16 Prozent. Man muss allerdings berücksichtigen, dass bei Onlineumfragen eine Affinität zu diesem Medium vorausgesetzt werden kann. Dennoch: Wenn Symphony IRI feststellt, dass Hundefutter vor allem im Fachhandel stark im Segment für Trockenfutter verliert, wo Verluste der großen Gebinde über 7,5 Kg die Tonnage nach unten ziehen, ist es wahrscheinlich, dass Hundehalter gerade die großen Futtersäcke immer häufiger bequem per Internet bestellen und sich liefern lassen.
Ebenso kaufen offenbar auch gerne Katzenhalter und Aquarianer ihre Tiernahrung im Internet. Bei Katzenfutter überwiegen die Supermärkte/Drogerien/Warenhäuser. Daneben bleibt der Zoofachhandel für nahezu alle Tierkategorien ein starker Vertriebsweg.
Noch deutlicher zeigt sich dies im Zubehörbereich: Heimtierzubehör wird vor allem im Zoofachhandel gekauft. Für im Gartenteich gehaltene Zierfische werden auch Baumärkte und Gartencenter genutzt.
Der Zoofachhandel ist der wichtigste Vertriebsweg, das bestätigen unsere Umfragen und die Daten der Symphony IRI. Aber der Discount erfreut sich bei Tierhaltern ebenfalls großer Beliebtheit. Das zeigt sich auch an der Entwicklung der Handelsmarken. Bei Hundefutter ist in 2011 nahezu jedes zweite Produkt eine Handelsmarke. Allerdings bietet inzwischen nicht nur der Discount, sondern auch der Fachhandel erfolgreich starke Eigenmarken an. Eine Ablösung der Industriemarken durch die Handelsmarken erwarten die Fachhandelsunternehmen jedoch nicht: Gerade die gesunde Mischung aus ertragreichen Eigenmarken und innovativen, gut geführten Industriemarken führe zum Erfolg.
Wir beobachten in Deutschland – aber auch in anderen europäischen Ländern – eine zunehmende Professionalisierung des Zoofachhandels, sowohl betriebswirtschaftlich, zum Beispiel indem er zunehmend zum Multi-Channel-Handel wird, als auch fachlich – hinsichtlich der Tierpräsentation, des Qualitätsmanagements und der Beratung rund ums Tier.
Ich bin fest davon überzeugt: Ohne den professionellen, behördlich kontrollierten Zoofachhandel gibt es keine verantwortungsbewusste Heimtierhaltung! Die fortschreitende Professionalisierung im Handel geht einher mit einer intensiven Forschung in den Bereichen Tiermedizin und Biologie, die viele Tiernahrungshersteller veranlassen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen sehen Sie in den kommenden vier Tagen hier auf der Interzoo.
Lassen Sie sich inspirieren von den diesjährigen Innovationen und Trends für Heimtiere: Sie sind gesund und ökologisch, haben eine positive Wirkung und sehen auch noch schick aus. Dies und vieles mehr sehen Sie im Anschluss bei unserem Presserundgang.
Vielen Dank.
- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich begrüße Sie ebenfalls herzlich zu dieser Pressekonferenz. Vielen Dank, Frau Schreiber, dass Sie mich so nett vorgestellt haben. Eines möchte ich noch hinzufügen: Ich arbeite nicht nur in einer Branche, die sich mit Heimtieren beschäftigt, sondern ich halte auch selbst Tiere. Fast alle Unternehmer und Akteure in unserer Branche sind Menschen, die das Zusammenleben mit Heimtieren als Glück erfahren haben. Hier darf ich meine Tochter zitieren, die bei unserer Diskussion über die Anschaffung eines Haustieres einwarf „nur mit einem Hund hat ein Kind eine wirklich glückliche Kindheit“. Dieser Hund bereichert nun seit Jahren unser Familienleben – und ich denke, meine Kinder haben eine glückliche Kindheit.
Wer schon einmal erleben durfte, wie es sich anfühlt, wenn sich plötzlich Nähe zwischen Tier und Mensch einstellt, wird uns verstehen: Es ist faszinierend und unvergesslich, wenn eine Wüstenrennmaus Männchen macht, um an der menschlichen Hand zu schnuppern und vertrauensvoll den Arm hinaufläuft. Oder wenn ein Wellensittich am menschlichen Ohr knabbert oder eine Katze sich schnurrend kraulen lässt. Viele Untersuchungen in verschiedensten Erziehungseinrichtungen haben gezeigt, dass Menschen über das glückliche Leben mit Tieren soziale Verantwortung und Einfühlungsvermögen lernen. Angeblich war das schon vor 2,6 Millionen Jahren der Fall: Die amerikanische Paläontologin Pat Shipman vertritt die These, dass der Mensch sich überhaupt nur zum Homo sapiens entwickeln konnte, weil er sein Leben mit den ersten Haustieren Rind, Katze und Hund teilte.
Mit mir teilen heute mehr als ein Drittel der Haushalte in Deutschland ihr Leben mit Heimtieren.
12 Prozent der Nicht-Tierhalter würden ebenfalls gerne Tiere halten, vor allem Hunde und Katzen. Im Klartext heißt das: Nahezu die Hälfte aller Deutschen begeistert sich für Heimtiere!
Zu diesem Befund kamen wir mit Hilfe unserer neuen haushaltsrepräsentativen Erhebung zur Heimtierhaltung in Deutschland. Die Studie haben wir in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut IMR – Institute for Marketing Research im April diesen Jahres durchgeführt.
Bei der Erhebung hat uns unter anderem die durchschnittliche Anzahl von Heimtieren in tierführenden Haushalten interessiert und wir wollten Erkenntnisse zu den gehaltenen Arten und zum Einkaufsverhalten gewinnen. Viele Tierhalter pflegen nicht nur mehr Tiere einer Art, sondern sogar mehrere Tierarten (das tun 10 Prozent der deutschen Haushalte). Die durchschnittliche Anzahl von Heimtieren haben wir zusätzlich durch eine zweite Erhebung, die im Internet nur unter Tierhaltern durchgeführt wurde, validiert.
Zu einem großen Teil hat die Studie bisherige Erkenntnisse, zum Beispiel zur Rangfolge der Beliebtheit von Heimtieren, bestätigt: Katzen sehen wir nach wie vor als die beliebtesten Heimtiere: Insgesamt gibt es 12,3 Millionen in 16,5 Prozent der Haushalte. An zweiter Stelle folgen Hunde in 13,4 Prozent der Haushalte. Weiter gibt es 7,6 Millionen Kleinsäuger, das mit Abstand beliebteste ist das Zwergkaninchen. Unter den 3,7 Millionen Ziervögeln sind die Wellensittiche besonders häufig vertreten. Darüber hinaus gibt es 2,3 Millionen Aquarien und 2,6 Millionen Gartenteiche mit Fischen. In fast drei Viertel der Warmwasser-Aquarien leben Süßwasserfische, nur 5 Prozent der Aquarianer pflegen Meerwasseraquarien. Außerdem leben Terrarientiere, vor allem Schlangen und Eidechsen, in insgesamt 800.000 Terrarien. Das ergibt insgesamt 31 Millionen Heimtiere in Deutschland – dabei sind Zierfische und Reptilien noch nicht einmal mitgerechnet.
Unsere Branche erfüllt die Aufgabe, das Zusammenleben mit diesen verschiedenen Arten zu gestalten. Einen positiven Einfluss auf den Menschen haben sie alle – aber erwiesenermaßen nur dann, wenn sie artgerecht gehalten werden.
Deshalb hat der ZZF bereits vor über 20 Jahren Qualitätsrichtlinien aufgestellt, in denen die Mitglieder des Verbandes sich unter anderem verpflichten, nicht mit Qualzuchten zu handeln oder bestimmte Tierarten nicht zu präsentieren, weil sie für die private Haltung in der Wohnung nicht geeignet sind. Dabei urteilen wir nicht pauschal über ganze Tiergruppen wie dies zum Teil andere Organisationen tun. Diese stufen undifferenziert sogenannte „exotische Tiere“, „nicht domestizierte Tiere“ oder „Wildtiere“ als nicht geeignet für Privathalter ein.
Wir sind daran interessiert, uns kontinuierlich mit den aktuellen Erkenntnissen zu einer tierschutzgerechten Heimtierhaltung auseinander zu setzen. Wir prüfen im Einzelfall, ob und wie eine Art tiergerecht gehalten werden kann. Dafür veranstalten wir beispielsweise jedes Jahr ein Fachsymposium für Tierärzte und Zoofachhändler.
Wir fördern die Qualifizierung von Zoofachhändlern mit unserer Ausbildungsliteratur, unseren Tagungen und unserer zur Zeit vorbereiteten „Zusatzqualifikation Zoospezifisches Wissen“.
Zurück zur Interzoo und zum Heimtiermarkt: Zur verantwortungsvollen Haltung von Heimtieren gehört auch, sie optimal mit Nahrung, Pflegemitteln, einem geeigneten Lebensumfeld und Zubehör zu versorgen – auf diese Weise ist unser Markt im vergangenen Jahr weltweit auf über 67 Milliarden Euro gewachsen.
In Deutschland stagniert der Umsatz mit Heimtierbedarf auf einem hohen Niveau. Insgesamt gaben Tierhalter im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Euro für ihre Heimtiere aus.
Davon entfielen laut dem Marktforschungsinstitut Symphony IRI 2,8 Milliarden Euro auf Heimtiernahrung und laut Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf 916 Millionen Euro auf Heimtierzubehör.
Zierfischfutter und die beiden größten Kategorien innerhalb der Tiernahrung, Hunde- und Katzennahrung, entwickelten sich noch leicht positiv. Für leichte Umsatzrückgänge sind vor allem die Segmente Vogel und Nager verantwortlich. Auch Katzenstreu entwickelte sich mit -4 Prozent im Wert rückläufig. Das hängt möglicherweise mit dem aktuellen Trend zu Freigängern zusammen, die ihr Geschäft eben nicht nur in der Katzentoilette erledigen.
Laut Symphony IRI gehen die Umsatzverluste in der Heimtiernahrung einher mit Absatzverlusten, insgesamt liegen diese bei -2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Absatz von Katzenfutter ging um 0,8 Prozent zurück. Das ist vermutlich auf einen Wechsel innerhalb der Formate zugunsten des Pouchformats zurück zu führen. Die neuen Favoriten sind Single- als auch Multi-Packs, mit deren Hilfe schneller und hygienischer gefüttert werden kann.
Im Zubehörbereich verzeichnete nur der Markt für Hunde-Bedarfsartikel ein Plus von 2,6 Prozent, insgesamt musste der Zubehörmarkt einen Rückgang von -2,2 Prozent hinnehmen.
Betrachten wir die Vertriebswege der Heimtiernahrung, sehen wir die Verluste ausschließlich aus dem LEH inkl. Drogeriemärkte und restliche Discounter, während der Umsatz im Fachhandel stagniert. Nur die großen Discounter Aldi, Lidl und Norma profitierten noch mit bekannten Markenprodukten. Die konnten durch regelmäßige Einmallistungen und Promotions punkten.
Unter den Fachhandelskanälen gewann vor allem der große Zoofachhandel bzw. Ketten mit Flächen über 300 qm Marktanteile, insgesamt ein Zugewinn von +3,8 Prozent. Alle anderen Fachhandelstypen mussten Verluste hinnehmen.
Wir vermuten, dass die Rückgänge insgesamt jedoch nicht so hoch sind wie die Umsatz- und Absatzzahlen der Symphony IRI nahe legen, da das Marktforschungsinstitut bisher über keine Handelsdaten aus dem Onlinesektor verfügt. Die Untersuchung des Onlinemarktes hat gerade erst begonnen – Umsatzdaten sind bisher bei keinem Marktforschungsinstitut verfügbar.
In unserer Online-Umfrage unter Tierhaltern haben wir deshalb auch nach dem Einkaufsverhalten gefragt. Es wurde deutlich, dass gerade Hundehalter offenbar Tiernahrung auch im Internet erwerben, insgesamt sind es etwa 16 Prozent. Man muss allerdings berücksichtigen, dass bei Onlineumfragen eine Affinität zu diesem Medium vorausgesetzt werden kann. Dennoch: Wenn Symphony IRI feststellt, dass Hundefutter vor allem im Fachhandel stark im Segment für Trockenfutter verliert, wo Verluste der großen Gebinde über 7,5 Kg die Tonnage nach unten ziehen, ist es wahrscheinlich, dass Hundehalter gerade die großen Futtersäcke immer häufiger bequem per Internet bestellen und sich liefern lassen.
Ebenso kaufen offenbar auch gerne Katzenhalter und Aquarianer ihre Tiernahrung im Internet. Bei Katzenfutter überwiegen die Supermärkte/Drogerien/Warenhäuser. Daneben bleibt der Zoofachhandel für nahezu alle Tierkategorien ein starker Vertriebsweg.
Noch deutlicher zeigt sich dies im Zubehörbereich: Heimtierzubehör wird vor allem im Zoofachhandel gekauft. Für im Gartenteich gehaltene Zierfische werden auch Baumärkte und Gartencenter genutzt.
Der Zoofachhandel ist der wichtigste Vertriebsweg, das bestätigen unsere Umfragen und die Daten der Symphony IRI. Aber der Discount erfreut sich bei Tierhaltern ebenfalls großer Beliebtheit. Das zeigt sich auch an der Entwicklung der Handelsmarken. Bei Hundefutter ist in 2011 nahezu jedes zweite Produkt eine Handelsmarke. Allerdings bietet inzwischen nicht nur der Discount, sondern auch der Fachhandel erfolgreich starke Eigenmarken an. Eine Ablösung der Industriemarken durch die Handelsmarken erwarten die Fachhandelsunternehmen jedoch nicht: Gerade die gesunde Mischung aus ertragreichen Eigenmarken und innovativen, gut geführten Industriemarken führe zum Erfolg.
Wir beobachten in Deutschland – aber auch in anderen europäischen Ländern – eine zunehmende Professionalisierung des Zoofachhandels, sowohl betriebswirtschaftlich, zum Beispiel indem er zunehmend zum Multi-Channel-Handel wird, als auch fachlich – hinsichtlich der Tierpräsentation, des Qualitätsmanagements und der Beratung rund ums Tier.
Ich bin fest davon überzeugt: Ohne den professionellen, behördlich kontrollierten Zoofachhandel gibt es keine verantwortungsbewusste Heimtierhaltung! Die fortschreitende Professionalisierung im Handel geht einher mit einer intensiven Forschung in den Bereichen Tiermedizin und Biologie, die viele Tiernahrungshersteller veranlassen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen sehen Sie in den kommenden vier Tagen hier auf der Interzoo.
Lassen Sie sich inspirieren von den diesjährigen Innovationen und Trends für Heimtiere: Sie sind gesund und ökologisch, haben eine positive Wirkung und sehen auch noch schick aus. Dies und vieles mehr sehen Sie im Anschluss bei unserem Presserundgang.
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