Presseinformationen

Mai 2012
Internationale Fachpresse-Konferenz der Interzoo 2012
  • Eine Stellungnahme von Norbert Holthenrich,
    Präsident des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF)
Samstag, 19. Mai 2012, 11.30 Uhr
NCC Ost, Ebene 1, Raum Hongkong, Messezentrum Nürnberg

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen des ZZF heiße ich Sie ebenfalls herzlich zu diesem Fachpresse-Lunch willkommen. Insbesondere begrüße ich unsere Gastreferentin Debbie Phillips-Donaldson vom Petfood Forum und dem Magazin Petfood Industry und Herrn Hans-Jochen Büngener, den Vorsitzenden unseres Interzoo Messeausschusses und Schatzmeister des ZZF.

Die Anbieter der Heimtierbranche beschäftigen sich nicht nur mit der Versorgung von Heimtieren, sondern fast alle Unternehmer und Akteure dieses Marktes sind Menschen, die das Zusammenleben mit Heimtieren als Glück erfahren haben. Ich habe auf der Eröffnungspressekonferenz bereits meine Tochter zitiert, die bei unserer familiären Diskussion über die Anschaffung eines Haustieres einwarf „nur mit einem Hund hat ein Kind eine wirklich glückliche Kindheit“. Dieser Hund bereichert nun seit Jahren unser Familienleben – und ich denke, meine Kinder haben eine glückliche Kindheit.

Viele Menschen weltweit teilen dieses Glück mit uns:
Sonst gäbe es keinen Heimtiermarkt mit einem weltweiten Umsatz von über 67 Milliarden Euro

und keine Branchenleitmesse Interzoo mit in diesem Jahr über 1.500 Ausstellern aus 53 Ländern.

Die Heimtierbranche hat ein großes Potenzial und einen wachsenden Kundenstamm:
In den USA gibt es laut der American Pet Products Association rund 200 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel. In den 20 größten Ländern Europas sind es etwa 270 Millionen. Innerhalb Europas leben nach Angaben des Marktforschungsinstitutes Euromonitor die meisten Heimtiere in Russland – rund 39 Millionen.

Deutschland steht im europäischen Vergleich an zweiter Stelle:
In mehr als einem Drittel der Haushalte leben 31 Millionen Katzen, Hunde, Kleinsäuger und Ziervögel. 12 Prozent der Nicht-Tierhalter würden ebenfalls gerne Tiere halten, vor allem Hunde und Katzen. Im Klartext heißt das: Nahezu die Hälfte aller Deutschen begeistert sich für Heimtiere! Zu diesem Befund kamen wir mit Hilfe unserer neuen haushaltsrepräsentativen Erhebung zur Heimtierhaltung in Deutschland. Die Studie haben wir in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut IMR – Institute for Marketing Research im April diesen Jahres durchgeführt.

Bei der Erhebung hat uns unter anderem die durchschnittliche Anzahl von Heimtieren in tierführenden Haushalten interessiert und wir wollten Erkenntnisse zu den gehaltenen Arten und zum Einkaufsverhalten gewinnen. Viele Tierhalter pflegen nicht nur mehr Tiere einer Art, sondern sogar mehrere Tierarten (das tun 10 Prozent der deutschen Haushalte). Die durchschnittliche Anzahl von Heimtieren haben wir zusätzlich durch eine zweite Erhebung, die im Internet nur unter Tierhaltern durchgeführt wurde, validiert.

Zu einem großen Teil hat die Studie bisherige Erkenntnisse, zum Beispiel zur Rangfolge der Beliebtheit von Heimtieren, bestätigt: Katzen sehen wir nach wie vor als die beliebtesten Heimtiere: Insgesamt gibt es 12,3 Millionen in 16,5 Prozent der Haushalte. An zweiter Stelle folgen Hunde in 13,4 Prozent der Haushalte. Weiter gibt es 7,6 Millionen Kleinsäuger, das mit Abstand beliebteste ist das Zwergkaninchen. Unter den 3,7 Millionen Ziervögeln sind die Wellensittiche besonders häufig vertreten. Darüber hinaus gibt es 2,3 Millionen Aquarien und 2,6 Millionen Gartenteiche mit Fischen. In fast drei Viertel der Warmwasser-Aquarien leben Süßwasserfische, nur 5 Prozent der Aquarianer pflegen Meerwasseraquarien. Außerdem leben Terrarientiere, vor allem Schlangen und Eidechsen, in insgesamt 800.000 Terrarien.

Unsere Branche erfüllt die Aufgabe, das Zusammenleben mit diesen verschiedenen Arten zu gestalten. Einen positiven Einfluss auf den Menschen haben sie alle – aber erwiesenermaßen nur dann, wenn sie artgerecht gehalten werden.

Zur verantwortungsvollen Haltung von Heimtieren gehört auch, sie optimal mit Nahrung, Pflegemitteln, einem geeigneten Lebensumfeld und Zubehör zu versorgen – auf diese Weise ist unser Markt wie eingangs erwähnt weltweit auf über 67 Milliarden Euro gewachsen.

Die stärksten Heimtiermärkte sind Europa und Nordamerika: Die Nordamerikaner und Kanadier gaben im vergangenen Jahr etwa 23,4 Milliarden Euro für ihre Heimtiere aus. Nach Angaben von Euromonitor ist der europäische Markt insgesamt auf 24,6 Milliarden Euro gewachsen, wovon die Westeuropäer den Löwenanteil mit 21,2 Milliarden investierten.

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland zu den gut entwickelten Märkten: Nur die Engländer und Franzosen geben noch mehr für die Heimtierhaltung aus. Allerdings ist der westeuropäische Markt weitgehend gesättigt, Zugewinne sind vor allem durch Innovationen möglich. In Osteuropa ist die Ausweitung des Marktes noch von den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen abhängig.

In Deutschland stagniert der Umsatz mit Heimtierbedarf auf einem hohen Niveau. Insgesamt gaben Tierhalter im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Euro für ihre Heimtiere aus. Davon entfielen laut dem Marktforschungsinstitut Symphony IRI 2,8 Milliarden Euro auf Heimtiernahrung und laut Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf 916 Millionen Euro auf Heimtierzubehör.

Zierfischfutter und die beiden größten Kategorien innerhalb der Tiernahrung, Hunde- und Katzennahrung, entwickelten sich noch leicht positiv. Für leichte Umsatzrückgänge sind vor allem die Segmente Vogel und Nager verantwortlich. Auch Katzenstreu entwickelte sich mit -4 Prozent im Wert rückläufig. Das hängt möglicherweise mit dem aktuellen Trend zu Freigängern zusammen, die ihr Geschäft eben nicht nur in der Katzentoilette erledigen.

Laut Symphony IRI gehen die Umsatzverluste in der Heimtiernahrung einher mit Absatzverlusten, insgesamt liegen diese bei -2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Absatz von Katzenfutter ging um 0,8 Prozent zurück. Das ist vermutlich auf einen Wechsel innerhalb der Formate zugunsten des Pouchformats zurück zu führen. Die neuen Favoriten sind Single- als auch Multi-Packs, mit deren Hilfe schneller und hygienischer gefüttert werden kann.

Im Zubehörbereich verzeichnete nur der Markt für Hunde-Bedarfsartikel ein Plus von 2,6 Prozent, insgesamt musste der Zubehörmarkt einen Rückgang von -2,2 Prozent hinnehmen.

Betrachten wir die Vertriebswege der Heimtiernahrung und Streu, sehen wir die Verluste ausschließlich aus dem LEH inkl. Drogeriemärkte und restliche Discounter, während der Umsatz im Fachhandel stagniert. Nur die großen Discounter Aldi, Lidl und Norma profitierten noch mit bekannten Markenprodukten. Die konnten durch regelmäßige Einmallistungen und Promotions punkten.

Unter den Fachhandelskanälen gewann vor allem der große Zoofachhandel bzw. Ketten mit Flächen über 300 qm Marktanteile, insgesamt ein Zugewinn von +3,8 Prozent. Alle anderen Fachhandelstypen mussten Verluste hinnehmen.

Wir vermuten, dass die Rückgänge insgesamt jedoch nicht so hoch sind wie die Umsatz- und Absatzzahlen der Symphony IRI nahe legen, da das Marktforschungsinstitut bisher über keine Handelsdaten aus dem Onlinesektor verfügt. Die Untersuchung des Onlinemarktes hat gerade erst begonnen – Umsatzdaten sind bisher bei keinem Marktforschungsinstitut verfügbar.

In unserer Online-Umfrage unter Tierhaltern haben wir deshalb auch nach dem Einkaufsverhalten gefragt. Es wurde deutlich, dass gerade Hundehalter offenbar Tiernahrung auch im Internet erwerben, insgesamt sind es etwa 16 Prozent. Man muss allerdings berücksichtigen, dass bei Onlineumfragen eine Affinität zu diesem Medium vorausgesetzt werden kann. Dennoch: Wenn Symphony IRI feststellt, dass Hundefutter vor allem im Fachhandel stark im Segment für Trockenfutter verliert, wo Verluste der großen Gebinde über 7,5 Kg die Tonnage nach unten ziehen, ist es wahrscheinlich, dass Hundehalter gerade die großen Futtersäcke immer häufiger bequem per Internet bestellen und sich liefern lassen.

Ebenso kaufen offenbar auch gerne Katzenhalter und Aquarianer ihre Tiernahrung im Internet. Bei Katzenfutter überwiegen die Supermärkte/Drogerien/Warenhäuser. Daneben bleibt der Zoofachhandel für nahezu alle Tierkategorien ein starker Vertriebsweg.

Noch deutlicher zeigt sich dies im Zubehörbereich: Heimtierzubehör wird vor allem im Zoofachhandel gekauft. Für im Gartenteich gehaltene Zierfische werden auch Baumärkte und Gartencenter genutzt.

Der Zoofachhandel ist der wichtigste Vertriebsweg, das bestätigen unsere Umfrage und die Daten der Symphony IRI. Aber der Discount erfreut sich bei Tierhaltern ebenfalls großer Beliebtheit. Das zeigt sich auch an der Entwicklung der Handelsmarken. Bei Hundefutter ist in 2011 nahezu jedes zweite Produkt eine Handelsmarke. Allerdings bietet inzwischen nicht nur der Discount, sondern auch der Fachhandel erfolgreich starke Eigenmarken an. Eine Ablösung der Industriemarken durch die Handelsmarken erwarten die Fachhandelsunternehmen jedoch nicht: Gerade die gesunde Mischung aus ertragreichen Eigenmarken und innovativen, gut geführten Industriemarken führe zum Erfolg.

Wir beobachten in Deutschland – aber auch in anderen europäischen Ländern – eine zunehmende Professionalisierung des Zoofachhandels, sowohl betriebswirtschaftlich, zum Beispiel indem er zunehmend zum Multi-Channel-Handel wird,

als auch fachlich – hinsichtlich der Tierpräsentation, des Qualitätsmanagements und der Beratung rund ums Tier.

Ich bin fest davon überzeugt: Ohne den professionellen, behördlich kontrollierten Zoofachhandel gibt es keine verantwortungsbewusste Heimtierhaltung!

Aus diesem Grund hat der ZZF bereits vor über 20 Jahren Qualitätsrichtlinien aufgestellt. In diesen haben sich unsere Mitglieder verpflichtet, nicht mit Qualzuchten zu handeln oder bestimmte Tierarten nicht zu präsentieren, weil sie für die private Haltung in der Wohnung ungeeignet sind. Dabei urteilen wir nicht pauschal über ganze Tiergruppen wie dies zum Teil andere Organisationen tun. Diese stufen undifferenziert sogenannte „exotische Tiere“, „nicht domestizierte Tiere“ oder „Wildtiere“ als nicht geeignet für Privathalter ein.

Wir sind daran interessiert, uns kontinuierlich mit den aktuellen Erkenntnissen zu einer tierschutzgerechten Heimtierhaltung auseinander zu setzen. Wir prüfen im Einzelfall, ob und wie eine Art tiergerecht gehalten werden kann. Dafür veranstalten wir beispielsweise jedes Jahr ein Fachsymposium für Tierärzte und Zoofachhändler.

Wir fördern die Qualifizierung von Zoofachhändlern mit unserer Ausbildungsliteratur, unseren Tagungen und unserer zur Zeit vorbereiteten „Zusatzqualifikation Zoospezifisches Wissen“ – die auch den Nachweis der Sachkunde gemäß § 11 TSchG beinhaltet. Es ist uns bereits gelungen, gemeinsam mit der IHK Wiesbaden die rechtlichen Rahmenbedingungen für diese Zusatzqualifikation in ihrem Kammerbezirk zu schaffen. Jetzt arbeiten wir weiter an den Voraussetzungen, dass diese Qualifikation zukünftig auch bundesweit als Nachweis der Sachkunde gemäß § 11 TschG anerkannt wird.

Die fortschreitende Professionalisierung im Handel geht einher mit einer intensiven Forschung in den Bereichen Tiermedizin und Biologie, die viele Tiernahrungshersteller veranlassen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen sehen Sie hier auf der Interzoo. Und in den folgenden Vorträgen werden Sie noch Näheres zu den diesjährigen Produktinnovationen erfahren.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


Hier sehen Sie den Gastvortrag von Debbie Phillips-Donaldson, editor-in-chief for Petfood Forum and Petfood Industry at Watt Publishing Co.: "INNOVATIONS AND TRENDS IN PETFOOD AND TREATS":

Präsentation Debbie Phillips-Donaldson Präsentation Debbie Phillips-Donaldson 
 
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